Beim Job-Sharing handelt es sich um ein Arbeitszeitmodell, bei dem zwei oder mehr Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle beim Arbeitgeber bekleiden. Der Unterschied zur klassischen Teilzeitarbeit besteht darin, dass nicht der Arbeitgeber einen Vollzeitarbeitsplatz in zwei Teilzeitstellen unterteilt und diese mit jeweiligen Aufgaben und Verantwortungen betraut. Vielmehr teilen sich mehrere Arbeitnehmer die Aufgaben und Verantwortungen einer gemeinsamen Arbeitsstelle.

Die genaue Aufteilung der Arbeitszeit, beispielsweise stunden- oder tageweise, obliegt in der Regel den Arbeitnehmern. So können diese sich zum Beispiel darauf einigen, dass der eine Teilzeitpartner von Montags bis Mittwochs im Büro ist, während der Zweite die restlichen Tage abdeckt oder einen Tag im Homeoffice arbeitet.

Top-Sharing: Teilzeit auf dem Chefsessel

Top-Sharing – das „geteilte-Jobs-Modell“ findet auch in Positionen Anwendung, die viel Verantwortung verlangen. So können auch Führungspositionen wie Abteilungs-, Bereichs- und Teamleitung aufgeteilt und durch mehrere Vorgesetzte besetzt werden. In der Praxis ist Job-Sharing immer eine Herausforderung und mit einem großen Planungs- und Kommunikationsaufwand verbunden.

Konkrete Absprachen und eine sehr gute Koordination
Damit der reibungslose Ablauf gewährleistet ist, müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden. Die Partner müssen sehr eng miteinander kooperieren und immer auf demselben Wissensstand sein, damit sie sich auch gegenseitig vertreten können. Auch wenn grundsätzlich die Verantwortung gemeinsam zu tragen ist und wichtige Beschlüsse nur im Team getroffen werden können, sollte geklärt werden, ob die Führungskräfte jeweils Ansprechpartner für alle Fragen sind oder ob eine Einteilung stattfindet.

Ein Modell für Jedermann?

Die Vorteile des Top-Sharings liegen für Frauen auf der Hand: Trotz reduzierter Arbeitszeit können sie den Führungsposten weiterhin besetzen. Und dem Unternehmen gehen qualifizierte Arbeitskräfte, in die es viel Geld investiert hat, nicht verloren.

Unternehmen, die sich aufs Teilen einlassen, profitieren in vielerlei Hinsicht: Die Tandems sind oft kreativer und ergänzen sich idealerweise in ihren Stärken und Schwächen. Durch die unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen ergeben sich oft wertvolle Synergieeffekte.

Sicherlich spielen auch die Mehrkosten eine Rolle: Nicht jedes Unternehmen kann es sich leisten, eine 100 %-Stelle auf beispielsweise 120 % aufzustocken, wenn beide Führungskräfte jeweils 24 Stunden die Woche arbeiten sollen.

Es ist aber auch eine Kulturfrage. Job-Sharing passt nicht in jedes Unternehmen, zu jeder Führungskraft oder jedem Mitarbeiter. Unternehmen, die mit Wertschätzung und auf Augenhöhe arbeiten, begrüßen zum Beispiel Job-Sharing eher als solche, die kurzfristig orientiert und in erster Linie kompetitiv arbeiten.

Einige wichtige Voraussetzungen sollten Mitarbeiter unbedingt mitbringen, wenn sie das Modell des Job-Sharing in Betracht ziehen:

  • Kommunikationstalent
    Grundvoraussetzung beim Job-Sharing ist die Absprache mit dem Tandem-Partner.
  • Organisationstalent
    Die Fähigkeit, Aufgaben und Abläufe zu organisieren ist essenziell.
  • Gegenseitige Sympathie
    Auch die Chemie zwischen den Job-Sharing Partnern ist von großer Bedeutung. Für die erfolgreiche Zusammenarbeit ist es unbedingt notwendig, dass die Partner offen miteinander umgehen und Kritik sowohl äußern als auch akzeptieren können.
  • Vertrauen
    Das Vertrauen dem Partner gegenüber muss gegeben sein.
  • Kompromissbereitschaft
    Wenn sich zwei Menschen eine Position teilen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis unterschiedliche Meinungen aufeinanderprallen. Hier sind Kompromissbereitschaft und der Willen, gemeinsam die beste Lösung zu finden gefragt.

Job-Sharing als Arbeitsmodell wird sich weiter ausbreiten. Das Teilzeitmodell ist gerade auch für hoch qualifizierte Jobs interessant, denn mit der Aufteilung sind auch Führungspositionen, die eine Vollzeitstelle erfordern, mit reduzierter Arbeitszeit möglich.